Ketteler Krankenhaus plant Schließung der Geburtsmedizin

Angebot in der Gynäkologie bleibt in vollem Umfang bestehen und wird weiterentwickelt…

25. Februar 2026
  • Ökonomie

Das Ketteler Krankenhaus in Offenbach plant im Rahmen des laufenden Sanierungsverfahrens, seine Frauenklinik neu auszurichten. Insbesondere wird derzeit die Schließung der Geburtsmedizin, möglicherweise bereits zum 30. Juni 2026, erwogen. Die Gynäkologie ist von dieser Veränderung nicht betroffen und behält ihren hohen Stellenwert. Die Abteilung soll sich zukünftig auf die Frauenheilkunde in den Schwerpunkten Urogynäkologie, onkologische Gynäkologie und das traditionelle Brustzentrum konzentrieren, das zu einer der ältesten Einrichtungen dieser Art in Deutschland zählt. „Wir bedauern diesen Schritt sehr, denn wir wissen, wie sehr die werdenden Eltern in der Region die Geburt in einem kleinen Haus in familiärer Atmosphäre schätzen, und die Mitarbeitenden in der Abteilung leisten sehr gute Arbeit“, erklärt Dietmar Eine, Sanierungsgeschäftsführer des Ketteler Krankenhauses. Man habe sich eine andere Lösung gewünscht, aber leider ist ein Erhalt in der aktuellen Phase der Insolvenz nicht zielführend. Die Geschäftsführung wird jetzt kurzfristig die Gespräche mit der Mitarbeitervertretung über eine Schließung der Geburtsmedizin aufnehmen. Bereits im Vorfeld wurden die Mitarbeitenden in der Geburtsklinik informiert.

Generell sind geburtsmedizinische Abteilungen in Deutschland mit Geburtenzahlen unter 800 pro Jahr kaum wirtschaftlich zu führen. Im Ketteler Krankenhaus waren die Geburten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. 2025 hatten nur noch 484 Kinder hier das Licht der Welt erblickt. Dementsprechend hat die Geburtsmedizin zuletzt auch ein Defizit von rund 1,1 Mio. Euro erwirtschaftet. „Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache“, stellt Eine klar. „Damit das Ketteler Krankenhaus langfristig eine Zukunft hat und auf einem wirtschaftlich stabilen Fundament steht, müssen wir uns von der Geburtsmedizin leider verabschieden.

Anders als in ländlichen Gegenden ist die Versorgungssituation im Ballungsraum Frankfurt / Rhein-Main in der Geburtsmedizin weiterhin sehr gut. „Werdende Eltern müssen sich über diese Entwicklung in unserem Haus auf keinen Fall Sorgen machen“ beurteilt Angelika Heckenthaler, ebenfalls Geschäftsführerin im Ketteler Krankenhaus die Lage. Die Geburtshilfe am Ketteler Krankenhaus sei eine vergleichsweise kleine Fachabteilung – in den letzten Jahren habe durchschnittlich nur noch eine Frau am Tag entbunden. „Wir gehen davon aus, dass die zahlreichen größeren Geburtskliniken in der Region den Wegfall unseres Angebots gut kompensieren können. Das Ministerium ist mit diesen Krankenhäusern bereits im Gespräch.

Durch die Schließung der Geburtsmedizin würde für die Hebammen am Ketteler Krankenhaus das Aufgabenfeld wegfallen. „Ein Wechsel des Arbeitsplatzes ist immer ein Einschnitt in das persönliche Leben“, zeigt Heckenthaler Verständnis. Sie gehe davon aus, dass sich für diese auf dem Arbeitsmarkt sehr begehrten Fachkräfte schnell eine andere Lösung in der Region finden werde. „Sollte es soweit kommen, werden wir die betroffenen Mitarbeitenden so gut wie möglich begleiten und unterstützen.“ Auch für die Assistenzärztinnen und -ärzte wäre die Schließung mit einer Veränderung verbunden: Das Ketteler Krankenhaus könnte dann perspektivisch das volle Spektrum der Facharztausbildung in der Gynäkologie mit seinem Portfolio nicht mehr abdecken.

Das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, in dem sich das Ketteler Krankenhaus derzeit befindet, läuft planmäßig weiter. Das bestätigt Philip Konen von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Christian Kaufmann die Klinik als Generalhandlungsvollmächtigter begleitet: „Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, diesen Prozess im zweiten Quartal 2026 abschließen zu können.“ Ziel des Verfahrens ist es, das Krankenhaus mit seiner wichtigen regionalen Bedeutung zu erhalten und die medizinische Versorgung in Offenbach langfristig sicherzustellen.

Quelle:
ketteler-krankenhaus.de

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