Klinikschulden drücken – Friedrichshafen reicht den Staffelstab an den Landkreis weiter
Die Stadt Friedrichshafen will Klinikum und Medizin Campus Bodensee ab 2026 nicht länger finanzieren und an den Bodenseekreis übergeben. Der Landrat reagiert irritiert auf den Alleingang, verweist auf ungeklärte Fragen und lehnt einen kurzfristigen Übergang ab. Die Mitarbeitenden wurden erst kurz vor der öffentlichen Ankündigung informiert. Jetzt droht ein politischer Kraftakt unter dem Druck wachsender Defizite.
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Die Stadt Friedrichshafen plant, sich zum Jahreswechsel 2026 aus der Trägerschaft für das Klinikum Friedrichshafen und den Medizin Campus Bodensee (MCB) zurückzuziehen. Grund sind seit Jahren anhaltende finanzielle Defizite. Die Finanzierung könne die Stadt allein nicht mehr stemmen, so Oberbürgermeister Simon Blümcke. Künftig solle der Landkreis die Verantwortung übernehmen, da der Großteil der Patient:innen aus dem Kreisgebiet komme. Ein entsprechender Beschluss des Gemeinderats steht bevor.
Der Landkreis Bodenseekreis zeigt sich von dem Vorstoß überrascht und kritisiert den fehlenden Abstimmungsprozess. Landrat Luca Prayon spricht von einem Alleingang und betont, dass zentrale Fragen zu Gesellschaftsstruktur, Eigentum, Neubauten und medizinischem Konzept bisher offen seien. Aus Sicht der Kreisverwaltung bestehe keine automatische Verpflichtung zur Übernahme.
Ein Gutachten im Auftrag der Stadt sieht dagegen eine gesetzliche Pflichtträgerschaft nach dem Landeskrankenhausgesetz, sobald die Stadt ihre Verantwortung abgibt. Sollte der Landkreis nicht reagieren, könne das Regierungspräsidium eine Übernahme anordnen.
Besonders kritisch ist dabei, dass die Mitarbeiter:innen erst kurz vor der Bekanntmachung informiert wurden. Der Betriebsrat zeigt sich irritiert und fordert Beteiligung. Die Stadt will den Übergang „geordnet“ und mit allen Beteiligten gestalten, stößt dabei jedoch auf politischen Widerstand. Der Landkreis fordert Zeit und Sorgfalt für eine verantwortliche Prüfung und lehnt eine Übernahme zum 1. Januar 2026 ab.
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