kma: Wie weit sind die Bundesländer in Ostdeutschland mit der Umsetzung der Krankenhausreform?
Die KHVVG-Umsetzung im Osten zeigt ein gemischtes Bild: Während Berlin noch sortiert, setzt Brandenburg auf Transparenz. Sachsen plant pragmatisch, Sachsen-Anhalt ringt mit Überkapazitäten und Thüringen forciert klare Kommunikation. Reformbereitschaft ja – Einigkeit nein.
- Politik
Im Osten der Republik nimmt die Umsetzung des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG) deutlich unterschiedliche Formen an. Allen fünf Bundesländern ist ein früher Strukturwandel nach 1990 gemein – dennoch steht ein weiterer Umbau der Kliniklandschaft bevor.
Berlin zeigt sich zurückhaltend. Regionale Versorgungsstrukturen existieren nicht. Der Strukturprozess beginnt mit der geplanten Schließung des kleinsten Hauses der DRK-Kliniken ab 2026. Die Berliner Krankenhausgesellschaft lobt den Schritt als „mutiges Beispiel“. Konkrete Planungen bleiben jedoch vage.
Brandenburg verfolgt einen deutlich strukturierteren Weg. Das Land ist in fünf Versorgungsregionen unterteilt, Regionalkonferenzen und Dialogformate laufen regelmäßig. Ziel ist der Erhalt aller Standorte mit alternativen Versorgungsangeboten, sollten stationäre Leistungen entfallen. Der neue Krankenhausplan tritt 2027 in Kraft.
Sachsen verweist auf eine stabile Klinikstruktur und erwartet keine „große Umwälzung“. Bereits vor der Pandemie wurde in einer Zukunftswerkstatt ein Zielbild 2030 erarbeitet. Kleine Häuser sollen als integrierte Versorgungszentren erhalten bleiben. Der Planungsausschuss ist aktiv, ein enger Austausch mit den Kliniken läuft.
Sachsen-Anhalt kämpft mit Überkapazitäten. Ein Gutachten sieht bis 2035 einen Abbau von 2.000 bis 4.000 Betten vor. Seit 2005 wird keine Bettenplanung mehr betrieben. Die Landesplanung orientiert sich nun an Leistungsgruppen nach NRW-Vorbild. Die Umsetzung erfolgt bis 2026. Regionale Workshops sind geplant.
Thüringen plant mit dem neuen Krankenhausplan 2024 den Abbau von rund 2.900 Betten – ohne Beeinträchtigung der Versorgung. Die bereits vorhandenen medizinischen Netzwerke sollen gestärkt werden. Gesundheitsministerin Katharina Schenk setzt auf frühzeitige Information und kündigt ein digitales Antragssystem an.
Fazit: Der Osten zeigt Reformbereitschaft, aber kein einheitliches Tempo. Brandenburg und Thüringen setzen auf Transparenz und regionale Dialoge. Berlin wirkt zögerlich, Sachsen bleibt pragmatisch, Sachsen-Anhalt kämpft mit struktureller Überversorgung. Die Umsetzung des KHVVG wird zur Bewährungsprobe für Planungssouveränität und Versorgungsrealität…
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