Krankenhaus Rating Report: Ab 2027 drohen 70 Prozent der Kliniken rote Zahlen
Bis 2030 könnten rund 70 Prozent aller deutschen Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, das zeigt der 22. Krankenhaus Rating Report. Ausgelöst wird der Einbruch ab 2027 durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz…
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Der 22. Krankenhaus Rating Report, vorgestellt am 25. Juni auf dem Hauptstadtkongress in Berlin, zeichnet ein alarmierendes Bild. 2024 schrieb die Hälfte aller deutschen Krankenhäuser einen Jahresverlust, gegenüber 28 Prozent im Jahr 2020. Das durchschnittliche Jahresergebnis lag bei minus 0,6 Prozent der Erlöse, die Insolvenzwahrscheinlichkeit stieg auf 2,2 Prozent, 22 Prozent der Kliniken befanden sich im roten Bereich. Bei der Hälfte der Häuser reichte die Liquidität für weniger als anderthalb Wochen, gefordert sind mindestens vier.
Für 2025 und 2026 erwarten die Autoren, das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und die Institute for Healthcare Business GmbH (hcb), eine spürbare Erholung, die auch geprüfte Jahresabschlüsse von Solidaris bestätigen. Ab 2027 kehrt sich dieser Trend um. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz würde den Verlustanteil auf 60 Prozent steigen lassen. Bis 2030 auf rund 70 Prozent bei einer Umsatzrendite von etwa minus zwei Prozent. Den Häusern würden drei bis vier Prozent ihrer Erlöse entzogen, warnt Prof. Boris Agurzky vom RWI.
Um gegenzusteuern, müssten Kliniken ihre Personalkosten bis 2030 um 8,5 Prozent senken, den Pflegebereich ausgenommen. Da Personalvorgaben und Tarifverträge dies vielfach verhindern, droht eine Schließungswelle. Rund 400 Standorte gelten als mittelfristig gefährdet. Der Bevölkerungsanteil mit mehr als 30 Minuten Anfahrtsweg zum nächsten Allgemeinkrankenhaus würde von 1,7 auf fast sieben Prozent steigen. Besonders betroffen sind öffentlich-rechtliche Häuser, deren kommunale Träger selbst tief im Defizit stecken. 22 Prozent der kommunalen Kliniken haben Träger mit so hoher Schuldenlast, dass die Betriebsfortführung gefährdet ist.
RWI und hcb fordern mehr Gestaltungsfreiheit statt weiterer Regulierung sowie eine Umwandlung des bis Oktober 2026 befristeten Rechnungsaufschlags in einen bettendichteabhängigen Strukturzuschlag. Grundlage des Reports sind 430 Jahresabschlüsse aus 2024 sowie 125 geprüfte Abschlüsse aus 2025, die zusammen 864 Krankenhäuser umfassen.
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