Krankenhausreform: Bürokratiemonster mit ungewissem Ausgang
Beivers warnt im Zusammenhang mit der Krankenhausreform vor unkalkulierbaren Steuerungsmechanismen und einem enormen bürokratischen Aufwand, der insbesondere kleine und ländliche Kliniken unter Druck setzt. Er kritisiert den ehrgeizigen Zeitplan und die Finanzierung des Transformationsfonds aus GKV-Mitteln, die zu regionalen Ungleichheiten führen könnten.
- Politik
Der Gesundheitsökonom Andreas Beivers warnt vor einem „Blindflug“ bei der Anreizsetzung. Durch Vorhaltebudgets, Pflegebudgets und DRG-Restfinanzierung entstünden finanzielle Steuerungsmechanismen, deren langfristige Auswirkungen auf Krankenhäuser und Versorgungsstrukturen nicht absehbar seien.
Ein zentrales Problem ist der enorme bürokratische Aufwand. Die Zuordnung der Krankenhausleistungen zu den neuen Leistungsgruppen erfordert ein 12.000 Seiten umfassendes Regelwerk. Die Berechnung der Vorhaltepauschale ist komplex, regelmäßige Qualitätskontrollen und Überprüfungen kosten Zeit und Ressourcen. Zudem besteht die Gefahr, dass sich Krankenhäuser auf lukrativere Leistungen konzentrieren, statt den tatsächlichen Versorgungsbedarf abzudecken.
Vor allem kleine und ländliche Krankenhäuser geraten unter Druck. Die Reform fördert die Spezialisierung, wodurch einige Häuser ihre Zulassung für bestimmte Leistungen verlieren könnten. Durch die Schließung von Fachabteilungen gehen in einigen Regionen wertvolle Versorgungskapazitäten verloren. Beivers betont, dass Klinikschließungen der Bevölkerung gut erklärt werden müssen.
Der Zeitplan ist ehrgeizig: Bis Mitte 2025 müssen die Anträge für die Verteilung der Leistungsgruppen für 2027 vorliegen. Allerdings fehlen in vielen Bundesländern belastbare Bedarfsanalysen. Zudem könnte es zu einem Ungleichgewicht zwischen reichen und armen Regionen kommen, wenn finanzschwache Kommunen Defizite nicht mehr ausgleichen können.
Schließlich kritisiert Beivers, dass die Finanzierung des Transformationsfonds zum Teil aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung und nicht aus Steuermitteln erfolgt. Eine alternative Finanzierung, etwa über eine Zuckersteuer, wäre aus seiner Sicht sinnvoller…
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