Krankenhausreform macht vollständige Facharztweiterbildung in einer einzigen Klinik zur Ausnahme
Ambulantisierung und Krankenhausreform gefährden die Qualität der ärztlichen Weiterbildung. Der Marburger Bund fordert verbindliche Weiterbildungsverbünde und gesetzliche Ausnahmeregelungen für Rotationen zwischen Arbeitgebern…
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Ambulantisierung und Krankenhausreform gefährden die Qualität der ärztlichen Weiterbildung strukturell. Das war der Tenor einer Podiumsdiskussion auf dem Hauptstadtkongress in Berlin am 25. Juni 2026.
Susanne Johna, Erste Vorsitzende des Marburger Bundes und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, benannte die Ambulantisierung als zentrale Bedrohung. Operative Eingriffe, die bislang Berufseinsteigern den Einstieg ins Operieren ermöglichten, werden zunehmend ambulant erbracht. In der Kardiologie werden bereits rund 70 Prozent invasiver Leistungen über Hybrid-DRG abgerechnet. Die dafür nötige Mehrzeit lasse sich im ambulanten Vergütungssystem kaum refinanzieren.
Die Krankenhausreform verschärft das Problem. Durch die Einführung von Leistungsgruppen spezialisieren sich Kliniken stärker und können künftig keine vollständige Facharztweiterbildung mehr gewährleisten. Rotationen zwischen Häusern sowie zwischen stationärem und ambulantem Bereich werden zur Regel. Johna betonte, diese Wechsel müssten verlässlich organisiert sein, da sie oft in Lebensphasen fallen, in denen Familien gegründet werden.
Der Marburger Bund fordert verbindliche Weiterbildungsverbünde aus Kliniken und Praxen sowie gesetzliche Ausnahmeregelungen, da Rotationen zwischen verschiedenen Arbeitgebern derzeit als genehmigungspflichtige Arbeitnehmerüberlassung gelten. Langfristig sei ein gemeinsamer Weiterbildungsvertrag mit einem Hauptarbeitgeber denkbar.
Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband stellte das HÄPPI-Modell vor, das in Kooperation mit der Universität Heidelberg entwickelt wurde und interprofessionelle Teamarbeit strukturell verankert. Sie forderte eine Angleichung der Weiterbildungskapazitäten zwischen Praxen und Kliniken.
Wolfgang Holzgreve von der Universität St. Gallen plädierte für eine kompetenzorientierte Weiterbildung nach Schweizer und US-amerikanischem Vorbild. Torsten Rantzsch, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Düsseldorf, forderte eine teamzentrierte Perspektive und verwies auf die zunehmende Akademisierung der Pflegeberufe als Ressource gegen den Fachkräftemangel.
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