Krankenhausreform ohne klare Strategie: Spieltheoretische Analyse offenbart gegenläufige Anreize und strategische Unsicherheit
Eine spieltheoretische Analyse zeigt, dass die Krankenhausreform ökonomische Fehlanreize auf Case-Mix, Kodierung und Landesplanung verlagert. Mechanism Design könnte Abhilfe schaffen…
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Die Krankenhausreform verschiebt den bisherigen Mengenanreiz im DRG-System. Das zeigt eine spieltheoretische Analyse von Madeleine Barlozek, veröffentlicht im Monitor Versorgungsforschung (05/26). Die Autorin zerlegt die Reform in vier strategische Teilspiele und untersucht deren Anreizstrukturen und Gleichgewichte.
Die ab 2028 eingeführte Vorhaltevergütung schwächt zwar den Anreiz zur stationären Mengenausweitung. Gleichzeitig sinken bei reduzierter Fallzahl langfristig die landesweiten Vorhaltevolumina. Für Krankenhäuser entsteht keine eindeutig dominante Strategie, sondern strategische Unsicherheit.
Der ökonomische Wettbewerb verlagert sich auf den Case-Mix-Index. Kodierungsoptimierung und gezielte Fallschwere-Steigerung bleiben individuell rational, auch wenn nachlaufend angepasste Bewertungsrelationen die Vorteile wieder aufzehren. Es entsteht ein klassisches Gefangenendilemma.
Die regionale Spezialisierung über Leistungsgruppen folgt der Logik eines Koordinationsspiels. Kooperation bringt den höchsten Nutzen, setzt aber gegenseitiges Vertrauen voraus. Fehlt dieses, halten Kliniken möglichst viele Leistungen selbst vor.
Auf Landesebene wird der Regelsetzer zum Mitspieler: Bundesländer planen die Krankenhausversorgung und sind zugleich Träger eigener Häuser. Ohne unabhängige Kontrollmechanismen drohen verzerrte Wettbewerbsbedingungen.
Die Autorin empfiehlt Ansätze des Mechanism Designs. Verbleib eingesparter Mittel im jeweiligen Land sowie populationsbezogene Regionalbudgets könnten Eigeninteresse und Versorgungsziele in Einklang bringen. Strategische Anreizanalysen sollten Teil künftiger Gesetzesfolgenabschätzungen werden.
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