Krankenhausreform trifft Demografie: Neue Versorgungsformen sollen Notaufnahmen entlasten

Prof. Karagiannidis, Intensivmediziner und Mitglied des Expertenrats Gesundheit und Resilienz der Bundesregierung, fordert mobile Interventionsteams, sektorenübergreifende Versorgungsformen und Prävention, um unnötige Krankenhausaufnahmen älterer Menschen zu vermeiden…

19. Juni 2026
  • Pflege
  • Politik

Menschen ab 75 Jahren stellen heute die größte Patientengruppe in deutschen Notaufnahmen dar. Prof. Christian Karagiannidis, Intensivmediziner und Mitglied des Expertenrats Gesundheit und Resilienz der Bundesregierung, sieht darin ein strukturelles Problem. Nicht jeder geriatrische Notfall erfordert eine stationäre Aufnahme. In seiner Keynote beim gemeinsamen Jahreskongress der DGG und DGGG am 26. September 2026 in Frankfurt a. M. stellt er konkrete Lösungsansätze vor.

Einen zentralen Stellenwert nimmt dabei das Konzept spezialisierter Pflegeinterventionsteams ein. Diese geriatrisch geschulten Teams könnten an Rettungsleitstellen angebunden werden und bei Notrufen über die 112 oder 116117 ambulant intervenieren, bevor ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird. Telemedizin soll dabei fachärztliche Expertise in solche Tandems einbringen.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die neuen sektorenübergreifenden Versorgungsformen (SÜV) im Rahmen der Krankenhausreform. Diese Einrichtungen sollen ältere Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf wohnortnah versorgen und insbesondere für Pflegeheimbewohner eine Alternative zur Notaufnahme bieten. Karagiannidis betont, dass die ausreichende Finanzierung dieser Strukturen über Versorgungsqualität und das Überleben vieler Kliniken entscheidet.

Als dritte Säule nennt er Prävention. Bewegung, Kraft- und Schnellkrafttraining sowie frühzeitige Präventionsangebote sollen Pflegebedürftigkeit und Krankenhausaufenthalte in jedem Alter hinauszögern. Sein Fazit ist eindeutig: Ohne konsequentes Handeln jetzt lässt sich die Versorgung älterer Menschen langfristig nicht in der heutigen Qualität aufrechterhalten.

Quelle:
dggeriatrie.de

Medinfoweb
Die etablierte Informationsplattform für Informatik, Ökonomie, Marketing und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.