Linksfraktion Sachsen beantragt Ablehnung der Bundesregelung zur Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag

Per Landtagsantrag will die sächsische Linksfraktion durchsetzen, dass Sachsen den Bundesplänen zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und zur Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag die Zustimmung verweigert…

22. Juli 2026
  • Politik

Die Linksfraktion im Sächsischen Landtag fordert die sächsische Staatsregierung auf, den Krankschreibungsplänen der Bundesregierung auf Bundesebene die Zustimmung zu verweigern. Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD hatte beschlossen, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag zur Pflicht zu machen.

Fraktionschefin Susanne Schaper, von Beruf Krankenschwester, kritisiert die Pläne als medizinisch kontraproduktiv. Wer krank sei, brauche Ruhe, keinen Arzttermin. Besonders bei Fieber, Migräne oder Magen-Darm-Infekten könne der erzwungene Praxisbesuch Erkrankungen verschlimmern und die Genesung verzögern. Zudem steige die Ansteckungsgefahr in Wartezimmern, und manche Beschäftigte würden krank zur Arbeit erscheinen.

Schaper warnt vor zusätzlicher Belastung für Notfallaufnahmen und Bereitschaftsdienste, besonders mit Blick auf die kommende Erkältungssaison. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung spricht laut Schaper davon, dass es an Irrsinn grenze, abertausende Menschen zusätzlich in Praxen zu schicken, nur um Formulare auszufüllen.

Datenlage und Regierungsstreit begleiten die Debatte. Der Krankenstand der AOK-Nordost-Mitglieder lag 2025 bei durchschnittlich 21,6 Tagen, bundesweit bei 23,3 Tagen. Telefonische Krankschreibungen machen dabei nur rund ein Prozent aus. Auch innerhalb der Bundesregierung ist die Regelung umstritten. SPD-Chef Lars Klingbeil betonte, niemand der krank sei, dürfe faktisch zum Arztbesuch gezwungen werden. Bundeskanzler Friedrich Merz verwies auf die Möglichkeit, per Betriebs- oder Tarifvertrag von der Regelung abzuweichen.

Quelle:
berliner-zeitung.de

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