Linnemann will Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgung weiter nutzbar machen

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann will die Nutzung von Gesundheitsdaten weiter voranbringen. Daten aus der ePA sollen ab 2027 auch der Forschung zur Verfügung stehen…

19. Oktober 2026
  • Data und KI
  • Politik

Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) macht Gesundheitsdaten nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zu einem Standortfaktor. Die Daten von 75 Millionen gesetzlich Versicherten fließen auf Vertrauensbasis ein, ohne Zwang oder Kauf. Linnemann räumte ein, dass das Thema Daten in den vergangenen Jahrzehnten zu stiefmütterlich behandelt wurde.

Seit dem Start im Oktober 2025 sind rund 120 Forschungsanträge eingegangen, zu etwa gleichen Teilen aus Selbstverwaltung, Wissenschaft und Industrie. Zehn stammen von Krankenversicherungen. Thomas Renner, Leiter der Unterabteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesgesundheitsministerium, überrascht vor allem die Kreativität der Fragestellungen.

Das FDZ soll schneller geeignete Probandinnen und Probanden für klinische Prüfungen finden. Eine Auswertung eines GKV-Antragstellers zu riskantem Cannabis- und Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen zeigt laut Linnemann den Nutzen für die Prävention.

Ende Oktober beginnt die Einspeisung von Daten aus der elektronischen Patientenakte (ePA), die ab 2027 auch der Forschung zur Verfügung stehen sollen. Renner nennt Labordaten als möglichen Ausbau. Matthias Mieves, stellvertretender gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, fordert mehr Datentiefe, ein Forschungspseudonym zur Verknüpfung von Datenquellen und Benchmarking in der Versorgung.

Künftig soll es möglich sein, Leistungserbringer in bestimmten Konstellationen zu identifizieren, etwa wenn Ärztinnen und Ärzte bei seltenen Fällen andere Behandelnde kontaktieren. Renner nennt die Bedingungen sehr eng. Neben Konsilen zählen nur klinische Studien und die Qualitätssicherung dazu. Patienten dürfen auch dann nicht reidentifiziert werden.

Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, fordert, dass sich die Industrie als Nutznießer an Finanzierung und Betrieb beteiligt. Die GKV hat rund 120 Millionen Euro in Aufbau und Betrieb investiert.

Quelle:
aerzteblatt.de

Medinfoweb
Die etablierte Informationsplattform für Informatik, Ökonomie, Marketing und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.