Machtmissbrauch im Krankenhaus: Warum Schweigen System hat und was Leitungen dagegen tun können

Organisationsentwickler Jens Hollmann erklärt, wie übermäßige Autoritätsgefälle in Kliniken Machtmissbrauch begünstigen, Fehler unsichtbar machen und warum Machtkompetenz eine erlernbare Führungsaufgabe ist…

6. August 2026
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Machtmissbrauch in Kliniken ist kein Einzelphänomen, sondern häufig das Ergebnis strukturell verankerter Autoritätsgefälle. Jens Hollmann, Organisationsentwickler mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Gesundheitswesen, beschreibt, wie ein übersteigerter Autoritätsgradient aus einer funktionalen Hierarchie ein Sicherheitsrisiko macht. Eine Simulatorstudie aus dem Jahr 2012 belegt, dass nur in 28 Prozent der Fälle Assistenzärzte und Pflegekräfte erkannte Fehler von Oberärzten ansprachen, obwohl in fast drei Viertel der Fälle ein Patientenschaden gedroht hätte.

Hollmann unterscheidet zwei Machtprinzipien, die auf die Organisationstheoretikerin Mary Parker Follett zurückgehen. Das „Power over-Prinzip“ setzt auf Zwang und Kontrolle, das „Power with-Prinzip“ auf Ko-Kreation und gemeinsame Ziele. Ersteres erfordert extreme Kontrolldichte und erzeugt Performanceverlust. Letzteres schließt situative Einzelentscheidungen nicht aus, etwa bei Motivations-, Informations- oder Verantwortungsasymmetrien.

Als systemisches Problem benennt Hollmann sogenannte sanktionsfreie Räume, in denen Grenzüberschreitungen folgenlos bleiben. Toxische Machtstrukturen entstehen laut Hollmann im Zusammenspiel aus destruktiver Führung, konformer Gefolgschaft und druckbelasteten Organisationsumfeldern. Alle drei Faktoren müssen adressiert werden, Interventionen, die nur einen Faktor betreffen, greifen zu kurz.

Psychologische Sicherheit, ein Konzept, das Amy Edmondson 1999 in einer Krankenhausstudie beschrieb und das mehr als 200 Folgestudien bestätigten, gilt Hollmann als Grundvoraussetzung dafür, dass Machtphänomene überhaupt besprechbar werden. Kulturwandel erfordere deshalb mehr als Leitbilder. Er verlange die bewusste Auseinandersetzung mit Macht als Führungsinstrument und konsequentes Feedback auf Verhalten. Häuser, die das heute professionell bearbeiten, verschaffen sich laut Hollmann einen Vorsprung im Wettbewerb um Fachkräfte und in der Versorgungsqualität.

Quelle:
kma-online.de

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