Marburger Bund: 49 Prozent der bayerischen Ärzte erlebten Machtmissbrauch durch Kollegen

49 Prozent der befragten bayerischen Ärzte erlebten Machtmissbrauch, überwiegend durch Vorgesetzte. Der Marburger Bund fordert anonyme Meldestellen und konsequente Sanktionen…

20. Juli 2026
  • Personal

Eine Befragung des Marburger Bundes unter 1.695 bayerischen Ärztinnen und Ärzten belegt, dass Machtmissbrauch durch Vorgesetzte in Kliniken systemischen Charakter hat. Die Gewerkschaft fordert deshalb strukturelle Reformen statt Einzelfallbehandlung.

49 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch durch ärztliches Personal erlebt zu haben. 15 Prozent erlebten dies mehrfach pro Woche, in 88 Prozent der Fälle gingen die Vorfälle von Vorgesetzten aus. Am häufigsten nannten Betroffene einen respektlosen oder herablassenden Umgangston (84 Prozent), das sachlich unbegründete Infragestellen der eigenen Kompetenz (67 Prozent) sowie öffentliche Bloßstellungen und Mobbing (52 Prozent).

Die Folgen sind gravierend, denn 79 Prozent berichten von emotionaler Erschöpfung, 73 Prozent von verminderter Arbeitsmotivation, 63 Prozent erwägen einen Abteilungs- oder Klinikwechsel. Fast jede zweite betroffene Person denkt über einen Ausstieg aus der stationären Versorgung nach.

14 Prozent der Befragten berichteten zudem von sexuellen Belästigungen durch ärztliche Beschäftigte, in 63 Prozent der Fälle durch Vorgesetzte, überwiegend Männer. Häufigste Formen waren sexualbezogene Kommentare und abwertende Sprüche (76 Prozent), unerwünschte Gespräche mit sexuellem Inhalt (58 Prozent) sowie unerwünschte körperliche Nähe oder Berührungen (46 Prozent).

Fast vier von fünf Betroffenen hatten die Vorfälle nicht gemeldet. Landesvorstandsmitglied Sonja Mathes nennt als Grund die Angst vor Nachteilen und ausbleibende Konsequenzen nach erfolgten Meldungen. Der Marburger Bund fordert unabhängige, anonyme Meldestellen sowie konsequente Sanktionen bei Fehlverhalten.

Quelle:
kma-online.de

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