Marburger Bund verklagt Greifswald wegen mangelhafter Zeiterfassung
Was digital klingt ist oft nur ein Ausdruck auf Papier. In Greifswald erfassen Ärztinnen und Ärzte ihre Arbeitszeit noch mit Excel Tabellen. Der Marburger Bund reicht Klage ein und fordert fälschungssichere Systeme. Die elektronische Zeiterfassung ist längst tariflich vorgeschrieben. Doch was elektronisch bedeutet bleibt unklar. Jetzt soll ein Gericht für Klarheit sorgen.
- Personal
Der Marburger Bund geht juristisch gegen die Unimedizin Greifswald vor. Anlass ist die unklare Umsetzung der tariflich geforderten elektronischen Arbeitszeiterfassung für Ärztinnen und Ärzte. Seit Januar verpflichtet der Tarifvertrag alle Universitätskliniken zur digitalen Dokumentation der gesamten Anwesenheitszeit. In vielen Häusern geschieht das jedoch weiterhin manuell etwa mit Excel Tabellen oder Papierlisten.
Die Universitätsmedizin Greifswald sieht sich im Einklang mit dem Tarifvertrag. Das eigene System erfasse Arbeitszeiten und Überstunden elektronisch. Die Gewerkschaft bewertet diese Praxis jedoch als unzureichend. Der Begriff elektronisch bedeute aus ihrer Sicht automatische und fälschungssichere Erfassung in Echtzeit. Listen zum Ausdrucken und nachträgliche Eingaben seien manipulierbar.
Eine Umfrage unter dreitausendfünfhundert Ärztinnen und Ärzten belegt die Kritik. Über achtzig Prozent dokumentieren ihre Arbeitszeit nicht mit einem automatischen System. Sechzig Prozent berichten von bis zu zehn Überstunden pro Woche die nicht erfasst werden. Aus Sicht des Marburger Bundes fehlen so verlässliche Daten zur Personalbelastung und Patientensicherheit.
Das Arbeitsgericht Stralsund soll nun klären wie der Tarifvertrag zu verstehen ist. Die Gewerkschaft fordert eine eindeutige Auslegung des Begriffs elektronisch. Unimedizin Rostock kündigte an ab kommendem Jahr ein persönliches Kartensystem einzuführen. Ab Januar 2026 sinkt die tarifliche Wochenarbeitszeit auf vierzig Stunden. Ohne digitale Zeiterfassung bleiben Überstunden jedoch unsichtbar.
NDR.de
Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.