Mehr Arbeit, mehr Risiko: Was Mediziner und Ökonomen zur geplanten Arbeitszeitreform sagen
Die geplante Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit spaltet Fachleute. Drei von vier befragten Expertinnen und Experten sehen erhebliche Gesundheitsrisiken für Beschäftigte…
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Die Bundesregierung will die tägliche Höchstarbeitszeit abschaffen. Vier befragte Expertinnen und Experten kommen zu gegensätzlichen Einschätzungen.
Dr. Andrea Hammermann vom Institut der deutschen Wirtschaft befürwortet den Schritt. Eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ermögliche eine flexiblere Verteilung auf einzelne Arbeitstage, ohne vereinbarte Wochenarbeitszeiten aus Tarif- oder Arbeitsverträgen zu berühren. Eine Auswertung der Arbeitszeiterhebung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeige für Bürobeschäftigte keine Hinweise auf eine Gefährdungslage durch längere Tagesarbeitszeiten.
Dr. Elke Ahlers von der Hans-Böckler-Stiftung widerspricht, denn lange Arbeitszeiten erhöhten das Risiko für Erschöpfung, Schlafprobleme und psychische Belastungen. Verkürzte Ruhezeiten schränkten notwendige Erholung ein. Angesichts des demografischen Wandels, mehr älterer Beschäftigter und erwerbstätiger Mütter als noch vor 20 Jahren, seien planbare Arbeitszeiten unverzichtbar.
Prof. Dr. Dirk Windemuth, Leiter der DGUV Akademie, verweist auf präventionswissenschaftliche Befunde: Arbeitszeiten über acht Stunden gehen mit erhöhtem Unfall- und Erkrankungsrisiko einher, darunter psychische, psychosomatische und somatische Erkrankungen. Ursachen seien weniger erholsamer Schlaf und nachlassende Konzentration.
Dr. Vera Stich-Kreitner vom VDBW lehnt den Vorschlag ab. Längerfristige Mehrarbeit erhöhe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Fehlbelastungen und Fehlzeiten. Das geltende Arbeitszeitgesetz erlaube unter bestimmten Bedingungen bereits Arbeitszeiten von zehn Stunden täglich.
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