Mentoring, Mitbestimmung, Flexibilität: Was Pflegekräfte wirklich im Beruf hält
Trotz steigender Ausbildungszahlen in der Pflege bricht die Mehrheit der Auszubildenden ab. Kliniken müssen Bindung statt Recruiting priorisieren…
- Personal
- Pflege
Die Pflegeausbildung wächst, doch die Abschlussquote bleibt alarmierend niedrig. 2025 begannen rund 64.300 Menschen eine generalistische Pflegeausbildung, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Vom Jahrgang 2020 erreichten jedoch nur vier von zehn Auszubildenden drei Jahre später einen Abschluss, wie Verdi-Zahlen belegen.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) identifiziert in einer Handreichung von 2025 den sogenannten Praxisschock als Hauptursache. Zeitdruck, emotionale Belastung und Verantwortung werden unterschätzt, feste Ansprechpersonen und Zeit für Praxisanleitung fehlen. Für Klinikgeschäftsführer und Pflegedirektionen folgt daraus: Nicht das Recruiting, sondern die Bindung ab dem ersten Ausbildungstag ist entscheidend.
Drei Ansätze stehen im Fokus. Erstens strukturierte Begleitung durch Mentoring, feste Ansprechpartner und Feedbackgespräche. Lina Gürtler vom DBfK-Bundesvorstand betont, Praxisanleitung gelinge nur mit erfahrenen Fachpersonen und fordert stärkere Wertschätzung sowie bessere Vergütung dieser Aufgabe. Zweitens eine veränderte Führungskultur. Judith Hantl-Merget, Pflegedirektorin der RoMed-Kliniken Rosenheim, sieht in Mitbestimmung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe einen zentralen Faktor. Drittens flexible Arbeitszeitmodelle wie Springerpools, Vier-Tage-Woche oder reduzierte Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Ein Patentrezept gibt es laut dem Beitrag nicht, entscheidend ist die Anpassung an unterschiedliche Lebensphasen.
Der Georg Thieme Verlag diskutiert das Thema am 23. Juni 2026 beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin mit Vera Lux (DBfK-Präsidentin und wissenschaftliche Leiterin des Pflegemanagement-Kongresses), Lina Gürtler und Katrin Staffler MdB, Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege.
Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.