Milliardenloch bei der GKV: IKK schlägt neue Finanzierungsquellen vor
Die GKV steht vor einem Rekorddefizit. Die IKK fordert Steuerzuschüsse, Ausgabenstopp und strengere Kontrolle von Leistungen…
- Ökonomie
Umfragen zeigen wachsende Unzufriedenheit und Vertrauensverlust in die Gesundheitspolitik.
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steht vor einer tiefen Finanzkrise. Nach Angaben der Innungskrankenkassen (IKK) lag das Defizit Ende 2024 bei 6,2 Milliarden Euro. Für 2025 wird ein Minus von 46 Milliarden Euro erwartet. Bereits 88 Kassen haben ihre Zusatzbeiträge erhöht, weitere Anhebungen stehen bevor.
IKK-Vorstand Hans Peter Wollseifer fordert eine vollständige Steuerfinanzierung der Gesundheitskosten von Bürgergeldbeziehenden. Allein hier entstehe eine Lücke von zehn Milliarden Euro. Zudem sollen geplante Maßnahmen wie die Entbudgetierung der Fachärzte und das höhere Apothekenhonorar auf ihren Nutzen überprüft werden. Bis zur Vorlage von Reformvorschlägen verlangt die IKK ein Ausgabenmoratorium.
Hans-Jürgen Müller, Vorstandsvorsitzender des IKK, plädiert für neue Einnahmequellen. Digitale Plattformarbeit müsse in die Finanzierung einbezogen werden. Außerdem solle ein Teil der Tabak- und Alkoholsteuern in die GKV fließen. Auf der Ausgabenseite kündigte er strengere Prüfungen von Krankenhaus- und Arzneimittelabrechnungen an. Leistungen ohne Evidenz müssten aus dem Katalog entfernt werden.
Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 65 Prozent der Bevölkerung die hohen Beiträge als zentrales Problem sehen. Nur noch 28 Prozent sind mit der Gesundheitspolitik zufrieden. Uwe Deh, Vorstandsvorsitzender der IKK gesund plus, warnte vor einer „Zeitbombe“, sollte die Politik nicht handeln.