Milliardenverluste durch vermeidbare Fehler – Ruf nach zentralem Register und Pflichtversicherung
Hunderttausende Behandlungsfehler bleiben unentdeckt. AOK und Medizinischer Dienst fordern rechtliche Reformen und mehr Transparenz im Umgang mit Fehlern…
- MD
Der Medizinische Dienst schätzt, dass jedes Jahr über 800.000 Patientinnen und Patienten durch vermeidbare Behandlungsfehler in deutschen Kliniken geschädigt werden. Bestätigt werden jedoch nur wenige tausend Fälle. Damit bleibt das tatsächliche Ausmaß weitgehend unbekannt.
Die AOK Bayern verweist auf eigene Erfahrungen: In 25 Jahren Patientenberatung wurden mehr als 64.000 Verdachtsfälle geprüft, in rund 9.000 Fällen bestätigte sich der Fehler. Auch bundesweit zeigen Gutachten, dass jeder vierte geprüfte Fall einen Behandlungsfehler aufweist. Laut Studien werden jedoch nur rund drei Prozent der tatsächlichen Schadensfälle gemeldet.
Die ökonomischen Folgen sind erheblich. Etwa 15 Prozent der Krankenhauskosten gehen auf vermeidbare Fehler zurück, rund 15 Milliarden Euro jährlich. Die AOK Bayern und Rechtsexperten fordern deshalb eine Reform des Haftungsrechts. Künftig soll eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für den Fehlernachweis genügen. Zudem plädieren sie für eine Pflichtversicherung für Ärztinnen und Ärzte sowie für ein nationales Fehlerregister. Das Projekt „NevER-DE“ soll schwerwiegende Vorfälle dokumentieren und zur Prävention beitragen.
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