Neues Einwilligungsmodul entlastet Angehörige und erweitert Grundlage für Obduktionsforschung
Das neue Obduktionsmodul im Broad Consent der MII ermöglicht Patienten erstmals, einer klinischen Obduktion und der Forschungsnutzung ihrer Daten bundesweit standardisiert zuzustimmen…
- QM
Das Nationale Steuerungsgremium der Medizininformatik-Initiative (MII) hat ein neues Einwilligungsmodul zur Obduktion freigegeben, das Patienten erstmals in Deutschland erlaubt, zu Lebzeiten standardisiert zuzustimmen, ob im Todesfall während eines Klinikaufenthalts eine Obduktion durchgeführt und die dabei gewonnenen Daten und Proben für die medizinische Forschung genutzt werden dürfen.
Entwickelt wurde das Modul von NATON, der Plattform für Obduktionen und Pathologie des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM), gemeinsam mit der AG Consent der MII. Es ergänzt den bereits bundesweit eingesetzten Broad Consent, über den Patienten bislang Gesundheitsdaten und Bioproben für Forschungszwecke bereitstellen konnten. Die Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen hat das Modul positiv bewertet.
Obduktionsdaten und postmortale Proben fließen in das Nationale Obduktionsregister (NAREG) ein, das elektronische Rückgrat von NATON. NATON ist ein deutschlandweiter Zusammenschluss von Universitätsklinika und Obduktionszentren, der systematische Erkenntnisse über Krankheitserreger gewinnt. Während der COVID-Pandemie haben multizentrische Obduktionsstudien konkret dazu beigetragen, Therapien für Erkrankte zu entwickeln und zu optimieren.
Prof. Dr. Sven Zenker, Sprecher der AG Consent der MII, betont den Doppelnutzen. Das Modul stärke die klinische Qualitätssicherung und entlaste Angehörige sowie klinisches Personal von emotional belastenden Gesprächen unmittelbar nach dem Tod. Patientenvertretungen, darunter der ARVC-Selbsthilfe e.V., haben das Modul aktiv mitgestaltet und begrüßen es ausdrücklich. Die Einwilligung kann jederzeit, vollständig oder in Teilen, ohne Angabe von Gründen widerrufen werden.
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