Notrufsysteme: DIN-Norm bremst digitale Lösungen in Pflegeeinrichtungen

Eine technische Norm zwingt Pflegeheime faktisch zu veralteten Notrufsystemen. Digitale Lösungen bleiben außen vor. Kritik richtet sich gegen das Normengremium und mögliche Interessenkonflikte…

28. April 2026
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Die DIN-/VDE-Norm 0834-1 verhindert in Deutschland faktisch den Einsatz digitaler Notrufsysteme in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Einrichtungen müssen weiterhin kabelgebundene Lichtrufanlagen nutzen. Das bremst Digitalisierung, erhöht Kosten und belastet den Betrieb.

In der Schweiz nutzen Einrichtungen bereits digitale Funksysteme. Notrufe gehen direkt auf Smartphones von Pflegekräften ein. Betreiber berichten von kürzeren Wegen, höherer Zufriedenheit und geringeren Kosten. In Deutschland bleibt dieses Modell praktisch ausgeschlossen.

Die Norm erlaubt drahtlose Systeme formal. In der Praxis erhalten solche Lösungen jedoch keine Zertifizierung. Der Verband der Elektrotechnik (VDE) bestätigt, dass bislang keine rein drahtlose Anlage zugelassen wurde.

Pflegeheimbetreiber sehen darin ein strukturelles Problem. Normen entscheiden indirekt über Betriebsgenehmigungen. Behörden können Einrichtungen ohne normkonforme Technik ablehnen.

Kritik richtet sich gegen das zuständige Normengremium. Interne Unterlagen zeigen, dass mindestens zwölf von 18 Mitgliedern beruflich mit klassischen Lichtrufsystemen in Verbindung stehen. Unternehmer werfen dem Gremium wirtschaftliche Eigeninteressen und kartellähnliche Strukturen vor. Ein ehemaliges Mitglied äußert ähnliche Zweifel.

Der VDE weist die Vorwürfe zurück. Die beteiligten Personen handelten als Fachexperten. Details nennt der Verband nicht und verweist auf ein mögliches kartellrechtliches Verfahren.

Bund und Länder prüfen inzwischen den Einfluss technischer Normen. Der Fall zeigt, wie regulatorische Vorgaben Innovation im Gesundheitswesen konkret behindern können.

Quelle:
zdfheute.de

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