NUS-Lancet-Kommission: Pandemiepläne schützen benachteiligte Gruppen nicht ausreichend

Bestehende Pandemiepläne schützen benachteiligte Gruppen nicht ausreichend. Eine internationale Kommission fordert gesamtgesellschaftliche Ansätze, die Chancengleichheit strukturell verankern…

24. September 2026
  • Politik

Die NUS-Lancet PRIME Commission, 2023 von der National University of Singapore und der Fachzeitschrift The Lancet einberufen, hat am Rande der 81. UN-Generalversammlung in New York einen Report vorgestellt, der bestehende Pandemieplanung grundlegend in Frage stellt. Die 41-köpfige Expertengruppe unterscheidet zwischen „pandemic preparedness“, der formalen Vorbereitung durch Pläne und technische Kapazitäten, und „pandemic readiness“, einer umfassenden gesamtgesellschaftlichen Krisenresilienz. Sie plädiert für den zweiten Ansatz.

Grundlage des Reports sind Fallstudien aus 20 Ländern mit mehr als 800 Interviews, darunter indigene Gemeinschaften, Menschen mit Behinderungen, informell Beschäftigte und Bewohner abgelegener Regionen. In Europa gehörten etwa junge Erwachsene in Slowenien zur Untersuchungsgruppe. Die Kommission identifizierte fünf systemische Schwächen: Existenzunsicherheit, beengte Wohnverhältnisse, administrative Zugangshürden, institutionelles Misstrauen sowie Informationsdefizite.

Co-Vorsitzende Helena Legido-Quigley betonte, nicht die Menschen seien vulnerabel, sondern die Systeme erzeugten diese Vulnerabilität. Co-Vorsitzende Helen Clark, frühere Premierministerin Neuseelands, verwies auf die staatliche Schutzverantwortung gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern.

Epidemiologische Modellierungen zeigen: Bei gerechterem Impfstoffzugang, orientiert an Bevölkerungsgröße statt Kaufkraft, könnten im Szenario einer zweijährigen Influenzapandemie 2,7 Millionen zusätzliche Leben gerettet werden. Deutschland wird im Report als Beispiel für ein fragmentiertes föderales System genannt, das zu verzögerten Entscheidungen geführt habe. Zentralisierte Systeme wie in Luxemburg, Neuseeland und Japan hätten dagegen schnellere und kohärentere Reaktionen ermöglicht. Der deutsche Pandemieplan aus dem Jahr 2017 wird nach den Erfahrungen mit SARS-CoV-2 weiterhin überarbeitet.

Quelle:
aerzteblatt.de

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