Patient:innen setzen auf ChatGPT statt auf ePA

Die Einführung der elektronischen Patientenakte stockt, denn technische Defizite, unstrukturierte Daten und die mangelnde Integration in Praxen verhindern ihre Nutzung.

5. August 2025
  • IT


Patient:innen wenden sich deshalb an KI-Systeme wie ChatGPT, die Befunde analysieren, Muster erkennen und Therapievorschläge machen – oft sogar schneller als Ärzt:innen. Der Datenschutz bleibt ein Problem, dennoch wächst die Nachfrage. Expert:innen fordern eine ePA 2.0 mit semantischer Suche, KI-gestützter Auswertung und transparenter Zertifizierung. Ohne diese intelligenten Funktionen bleibt die ePA ein reines Ablagesystem und kein Instrument für eine bessere Versorgung.

Seit Jahresbeginn haben alle gesetzlich Versicherten Anspruch auf eine elektronische Patientenakte. Die Erwartungen sind groß, die Realität ernüchternd. Fehlende Schnittstellen, unübersichtliche Oberflächen und Daten in PDF-Form bremsen die Nutzung. Ärzt:innen berichten von hohem Zeitaufwand ohne erkennbaren Mehrwert. Gleichzeitig nutzen Patient:innen KI-Anwendungen wie ChatGPT, um Befunde zu verstehen und Entscheidungen vorzubereiten. Ein Beispiel zeigt, dass ChatGPT Laborwerte strukturieren, Warnungen erzeugen und Therapievorschläge formulieren kann und das schneller und systematischer als in der Praxis üblich.

Der Vorteil liegt in der Analyse großer Textmengen und dem Erkennen verborgener Muster. Dies stärkt die Gesundheitskompetenz der Patient:innen, birgt aber Risiken. Daten werden oft ohne ausreichenden Schutz hochgeladen, und nicht jede KI arbeitet nach validen medizinischen Standards. Fachleute fordern daher Zertifizierungen und transparente Qualitätskennzeichnungen für digitale Tools.

Ab Oktober 2025 sind Ärzt:innen verpflichtet, Dokumente in der ePA zu hinterlegen. Doch ohne intelligente Auswertung bleibt der Nutzen begrenzt. Expert:innen sehen die Lösung in einer ePA 2.0, durch strukturierte Daten, semantische Suche, KI-basierte Analyse und Echtzeit-Zugriff. Ergänzende Assistenten könnten Nutzer:innen aktiv durch die Akte führen.

KI ersetzt demnach keine Empathie, aber sie verschafft Überblick und Geschwindigkeit. Gelingt die Weiterentwicklung der ePA, könnte sie von einer passiven Dokumentensammlung zu einem zentralen Werkzeug der digitalen Versorgung werden.

Quelle:

leadersnet.de


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