Personalengpässe und lange Wege prägen den Alltag in der Landklinik Wriezen

Die Landklinik Wriezen zeigt exemplarisch die Herausforderungen kleiner Krankenhäuser im ländlichen Raum. Personalmangel, lange Rettungswege, wirtschaftlicher Druck und die Krankenhausreform prägen den Arbeitsalltag der Beschäftigten…

11. März 2026
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Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum steht unter zunehmendem Druck. Ein Beispiel hierfür ist die Landklinik Wriezen, die eine dünn besiedelte Region an der polnischen Grenze versorgt. Oft sind die Patienten dort bereits älter, leben allein und verfügen nur über eine begrenzte Mobilität. Das Personal steht dabei vor großen Herausforderungen, denn die weiten Wege führen zu komplexen Abläufen in der Versorgung. Schwer erkrankte Menschen müssen oft zunächst stabilisiert und anschließend in spezialisierte Kliniken verlegt werden. Besonders zeitkritisch wird dies bei Schlaganfällen. Hier benötigt der Transport zur nächsten Stroke Unit wertvolle Zeit, die oft über den Erfolg der Behandlung entscheidet.

Im Klinikalltag prägen Personalengpässe die Arbeit. Fällt eine Pflegefachperson aus, entstehen sofort Versorgungsengpässe, da kaum noch personelle Reserven vorhanden sind. Beschäftigte übernehmen deshalb oft zusätzliche Dienste oder verzichten sogar ganz auf ihre freien Tage. Gleichzeitig tragen der Teamgeist und die persönliche Verantwortung wesentlich dazu bei, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Belastung für das Team bleibt hoch. Neben dem Personalmangel belasten steigende Energie- und Materialkosten sowie die Inflation die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser. Bundesweit schreibt ein Großteil der Kliniken Verluste. Kleine Häuser trifft dies besonders stark, weil sie weniger Fälle behandeln und somit geringere Einnahmen erzielen.

Die Klinik in Wriezen gilt als Sicherstellungskrankenhaus und übernimmt deshalb die Grund- sowie Notfallversorgung der gesamten Region. Dennoch unterliegt sie wirtschaftlichen Zwängen, während die geplante Krankenhausreform die allgemeine Unsicherheit weiter verstärkt. Künftig sollen Leistungen stärker in spezialisierten Zentren gebündelt und mehr Behandlungen nur noch ambulant erfolgen. Für kleinere Häuser bedeutet das weniger stationäre Fälle, während sie gleichzeitig alle Strukturen für die Notfallversorgung vorhalten müssen. Zusätzliche Zahlungen für diese Bereitschaft sind zwar vorgesehen, doch ihre konkrete Höhe bleibt weiterhin unklar. Die finanzielle Lage bleibt ungewiss, obwohl auch internationale Fachkräfte zur Sicherung der medizinischen Versorgung beitragen. Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland absolvieren in Wriezen ihre Weiterbildung und unterstützen das Team vor Ort. Ob sie langfristig bleiben, hängt jedoch von beruflichen Perspektiven und den regionalen Rahmenbedingungen ab. Insgesamt bleibt die Frage offen, wie stabil die Versorgung durch kleine Kliniken im ländlichen Raum künftig sein wird.

Quelle:
zdfheute.de

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