Proselis-Geschäftsführer warnt: GKV-Spargesetz belastet Kliniken stärker als die Krankenhausreform
Das Stiftungsklinikum Proselis reagiert auf das GKV-Spargesetz mit Leistungskonzentration, Prozessumbau und strategischer Investition, weil die Vorhaltevergütung ab 2030 kaum Planungssicherheit bietet…
- Ökonomie
Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz trifft Krankenhäuser härter als die Krankenhausreform selbst. André Sonnentag, Vorsitzender der Geschäftsführung des Stiftungsklinikums Proselis in Recklinghausen und Herten, beziffert die Ergebnisbelastung durch die wachsende Kosten-Erlös-Schere auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag, mit Unsicherheit nach oben.
In NRW liegen die Leistungsgruppen-Bescheide bereits vor. Proselis muss die interventionelle Kardiologie auf einen Standort konzentrieren, hat aber neue Leistungsgruppen wie Cochlea-Implantate hinzugewonnen. Die nur sechs Kilometer zwischen beiden Häusern erleichtern Synergien. Team-Chefarztmodelle, standortübergreifende Pflegeleitung und funktionale statt standortbezogene Geschäftsführung sind bereits umgesetzt.
Die Vorhaltevergütung kritisiert Sonnentag scharf. Sie bilde keine echten Vorhaltekosten ab, sondern schreibe die bisherige variable Vergütung für zwei Jahre fest. Planbarkeit entstehe dadurch nicht. Da sie in NRW erst 2030 greife, bleibe Zeit für die Umsetzung unter bekannten Regeln.
Clinotel-Geschäftsführer Dr. Udo Beck fordert ein übergreifendes Zielbild für die Gesundheitsversorgung, das ambulante und stationäre Versorgung, Pflege, Rehabilitation und Finanzierung zusammendenkt. Ohne dieses Zielbild bleibe es bei einem Flickenteppich aus 16 Landesplanungen. Sonnentags Fazit: Kliniken brauchen jetzt eine verabschiedete Medizinstrategie und rigoroses Kostenmanagement, statt auf Klarheit von außen zu warten.
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