Riskante Immobiliengeschäfte: Krankenkassen haben 1,1 Milliarden Euro in hochspekulative Anlagen investiert

Mindestens zwölf Krankenkassen haben insgesamt 1,1 Milliarden Euro in riskante Immobilienfinanzierungen investiert. Wertberichtigungen von 400 Millionen Euro sind bereits gebucht, weitere Verluste angekündigt…

11. September 2026
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Gesetzliche Krankenkassen haben laut Bundesregierung insgesamt 1,1 Milliarden Euro in riskante Immobilienfinanzierungen investiert. 900 Millionen Euro in immobilienbesicherte Schuldscheindarlehen, 200 Millionen Euro in Inhaberschuldverschreibungen der Fonds Verius II und Verius III. Zwölf Krankenkassen sind bei den Schuldscheindarlehen betroffen, elf bei den Inhaberschuldverschreibungen, neun Kassen haben in beide Anlageformen investiert. Zusätzlich ist eine Pflegekasse betroffen. Bisherige Medienberichte hatten den Schaden lediglich im dreistelligen Millionenbereich verortet.

Bis Ende Dezember 2025 haben einzelne Kassen bereits Wertberichtigungen von rund 400 Millionen Euro in ihre Bilanzen aufgenommen. Der Restbuchwert liegt damit knapp über 700 Millionen Euro. Weitere Verluste sind absehbar: Einige Kassen haben angekündigt, in der Jahresrechnung 2026 zusätzliche Abschreibungen vorzunehmen. Bei den Schuldscheindarlehen variieren die Rückzahlungsaussichten stark zwischen 10 und 100 Prozent des ursprünglichen Anlagebetrags.

Der Prüfdienst Kranken- und Pflegeversicherung beim Bundesamt für Soziale Sicherung hatte bereits 2017 und 2019 Kenntnis von entsprechenden Investments. Er beschränkte sich damals auf die Empfehlung, ein qualifiziertes Risikomanagement zu etablieren. Zwischen 2020 und 2022 folgten vier Aufsichtsprüfungen zu Verius-Inhaberschuldverschreibungen. Erst im September 2023, nachdem Liquiditätsprobleme aufgetreten waren, veröffentlichte das BAS ein Rundschreiben mit konkreten Vorgaben. Seit 2023 sind Nachranganlagen für Krankenkassen gesetzlich untersagt.

Die Bundesregierung sieht keinen akuten Handlungsbedarf. Politische Konsequenzen sollen erst nach Abschluss laufender Gerichtsverfahren geprüft werden. SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis hatte im Juli gefordert, die Finanzaufsicht über gesetzliche Krankenkassen bereits bei den laufenden GKV-Strukturreformen zu reformieren.

Auch mehrere Kassenärztliche Vereinigungen sind betroffen. Die KV Baden-Württemberg investierte 50 Millionen Euro, die KV Hessen 30 Millionen Euro und die KV Schleswig-Holstein 16 Millionen Euro in entsprechende Produkte.

Quelle:
aerztezeitung.de

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