Röder: Vorhaltefinanzierung im Blindflug – Umverteilung statt Systemwechsel
Prof. Röder stellt der geplanten Vorhaltefinanzierung ein vernichtendes Zeugnis aus. Anstatt die echten Vorhaltekosten zu decken, erfolgt lediglich eine Umverteilung im alten System. Die Länder erhalten mehr Macht, jedoch ohne klare Strukturvorgaben. Ambulantisierung, Fallzahlgrenzen und Hybrid-DRGs gefährden gezielt kleine Häuser und hebeln die Spezialisierung aus. Der Reform fehlt ein echter Neuanfang.
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Die im Krankenhausfinanzierungsreformgesetz (KHVVG) verankerte Vorhaltefinanzierung wird ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht. Laut Prof. Dr. Norbert Roeder handelt es sich dabei nicht um eine strukturelle Neuausrichtung, sondern um eine Umverteilung innerhalb des bestehenden Systems. Zwar wird ein Teil der DRG-Vergütung in Vorhaltebudgets überführt, doch bleiben die Fallpauschalen der zentrale Erlöspfad der Kliniken. Die Bundesländer erhalten durch eine leistungsgruppenbasierte Planung direkten Einfluss auf die Mittelverteilung, ohne dabei über landesspezifische Unterschiede in der Versorgungsstruktur ausreichend Rechenschaft ablegen zu müssen.
Die politisch angestrebte Ambulantisierung durch Hybrid-DRGs entzieht bestimmten Leistungsgruppen die Grundlage für eine Vorhaltefinanzierung. Vor allem kleinere Fachabteilungen, etwa in der Kardiologie, geraten so unter Druck. Große Häuser können sich aufgrund fixer Budgets kaum auf Mehrleistungen einstellen, während kleinere Kliniken durch die Begrenzung auf Planwerte keine verlässliche Absicherung erhalten. Die Vorhaltefinanzierung fungiert somit kurzfristig als Puffer, langfristig jedoch als Belastung für Wachstumsstrukturen.
Roeder warnt vor Fehlanreizen und einer potenziellen strategischen Fallzahlsteuerung, um die Schwellenwerte der Budgetanpassung zu umgehen. Er sieht die Verknüpfung von Leistungsgruppen mit der Finanzierung besonders kritisch, da dies die Versorgungslogik untergräbt. Anstatt Strukturentscheidungen zu erleichtern, drohen ökonomisch motivierte Fehlverlagerungen.
Die eigentlich sinnvolle Krankenhausplanung wird durch eine fragwürdige Finanzierungsmethodik konterkariert. Roeder plädiert daher für die Stärkung bewährter Instrumente wie Sicherstellungszuschläge, um gezielt versorgungsrelevante Standorte zu erhalten.
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