Sechs Euro am Tag: Warum gesunde Ernährung in Kliniken Luxus bleibt
Viele Klinikpatient:innen in Deutschland leiden unter Mangelernährung, weil die Verpflegungsbudgets kaum Spielraum für hochwertige Mahlzeiten lassen. Aktuell stehen pro Patient:in etwa sechs Euro täglich zur Verfügung, ein Betrag, der gesunde, frische Kost kaum ermöglicht. Expert:innen warnen, dass eiweißarme Ernährung Heilungsprozesse verzögert, Komplikationsrisiken erhöht und Liegezeiten verlängert. Die Universitätsklinik Leipzig zeigt, dass Ernährungskonzepte funktionieren können, doch nur zehn Prozent der Häuser haben spezialisierte Teams. Politisch wird das Problem erkannt, erste Qualitätsverträge sind in Arbeit. Doch solange Essen in Pauschalen untergeht, bleibt die Umsetzung eine Herausforderung.
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Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie warnt vor einer zunehmenden Mangelernährung in deutschen Krankenhäusern. Besonders ältere Patient:innen erhalten zu wenig eiweißreiche Nahrung. Studien zeigen, dass dies den Genesungsprozess verzögert, Komplikationen begünstigt und die Selbstständigkeit einschränkt. Muskelabbau erhöht zusätzlich das Sturzrisiko und verschlechtert die Prognose.
Am Beispiel der Universitätsklinik Leipzig wird deutlich, dass eine bessere Versorgung möglich ist. Dort werden täglich rund 1.300 Mahlzeiten nach Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung produziert. Das Cook-and-Chill-Verfahren soll Frische und Nährstoffgehalt über Wochen sichern. Dennoch gilt, dass für Krankenhauskost im Schnitt nur etwa sechs Euro pro Tag und Patient:in zur Verfügung stehen. Diese Summe umfasst alle Mahlzeiten und Getränke. Da die Kosten in den allgemeinen Betriebspauschalen enthalten sind, entscheiden Klinikleitungen über die Verteilung. Steigende Lebensmittelpreise verschärfen das Problem.
Nur etwa zehn Prozent der Krankenhäuser verfügen über Ernährungsteams. Fachleute wie der Leipziger Ernährungsmediziner Lars Selig fordern deren Einführung in allen Kliniken. Ziel ist ein systematisches Screening und eine konsequente Ernährungsplanung. Erste Schritte wie Qualitätsverträge zur Mangelernährung sind eingeleitet. Sie sollen prüfen, ob Screeningmaßnahmen künftig vergütet werden. Bisher fehlt jedoch eine klare Finanzierung.
Patient:innen betrachten das Essen im Krankenhaus als wichtigen Teil ihres Alltags. Es beeinflusst nicht nur die Genesung, sondern auch die Zufriedenheit. Dennoch bleibt es ein organisatorischer und wirtschaftlicher Spagat, individuelle Vorlieben und medizinische Anforderungen zu verbinden. Solange die Finanzierung unzureichend ist, bleibt Mangelernährung ein strukturelles Risiko im deutschen Klinikalltag.
mdr.de
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