Steigende GKV-Ausgaben lösen neue Debatte über Zahl der Krankenkassen aus
Hausärzte, VdK und CSU-Politiker Klaus Holetschek fordern angesichts wachsender GKV-Ausgaben weniger Krankenkassen und geringere Verwaltungskosten. Der GKV-Spitzenverband widerspricht und verweist auf frühere Fusionen und sinkende Verwaltungskosten…
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Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung verschärft die Debatte über Zahl und Kosten der Krankenkassen. Hausärzte, der Sozialverband VdK und CSU-Politiker Klaus Holetschek fordern weniger Kassen und deutlich niedrigere Verwaltungskosten. Sie argumentieren, dass Doppelstrukturen Beitragsmittel binden, die in die Versorgung fließen sollten.
Der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, verlangt, die Verwaltungskosten der Kassen mittelfristig zu halbieren. Er kritisiert, die Kassen setzten den Rotstift zu oft bei der Versorgung ihrer Versicherten an. VdK-Präsidentin Verena Bentele nennt ein System mit über 90 gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr vermittelbar. Sie verweist auf unnötige Doppelstrukturen in Organisation, IT und Selbstverwaltung. Klaus Holetschek hält eine Konsolidierung auf rund 20 bis 30 Kassen für realistisch und sinnvoll.
Hintergrund ist die Entwicklung der GKV-Finanzen im vergangenen Jahr. Die Ausgaben stiegen stärker als die Einnahmen. Eine Kommission im Auftrag von Gesundheitsministerin Nina Warken berät deshalb derzeit Maßnahmen für eine dauerhafte Stabilisierung der Beitragssätze. Ergebnisse sollen Ende des Monats vorgelegt werden.
Der GKV-Spitzenverband weist die Kritik zurück. Vorsitzender Oliver Blatt verweist auf einen im Herbst beschlossenen Verwaltungskostendeckel und einen Sparbeitrag von 100 Millionen Euro in diesem Jahr. Nach Angaben des Verbands sank die Zahl der Krankenkassen bereits von über tausend in den 1990er Jahren auf aktuell 93. Auch der DGB widerspricht den Hausärzten. Er sieht die Hauptursachen der Kostenentwicklung in der Trennung von ambulanter und stationärer Behandlung sowie in Doppelstrukturen und Doppeluntersuchungen.
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