Stroke Unit oder Heimkehr am selben Tag? Heidelberg testet ambulante Akutversorgung bei TIA und leichtem Schlaganfall
Forschende des Universitätsklinikums Heidelberg untersuchen, ob ausgewählte Patienten mit leichtem Schlaganfall ambulant auf Stroke-Unit-Niveau versorgt werden können…
- QM
Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss fördert die ARTIFICE-Studie mit rund 2,4 Millionen Euro. Forschende der Medizinischen Fakultät Heidelberg und der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) prüfen darin, ob Patienten mit leichtem Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA) ambulant auf dem Niveau einer spezialisierten Stroke Unit versorgt werden können. Beteiligt sind zudem das Geriatrische Zentrum am UKHD und das private Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) aus Berlin.
Eingeschlossen werden 400 Patientinnen und Patienten ab 60 Jahren, bei denen in den letzten sieben Tagen nur geringfügige oder keine neurologischen Ausfallerscheinungen aufgetreten sind und bei denen beide Behandlungswege medizinisch vertretbar sind. Per Zufallsprinzip werden die Teilnehmenden entweder der bisherigen mehrtägigen Standardversorgung auf der Stroke Unit oder einer ambulanten Behandlungsgruppe zugeteilt.
Das ambulante Konzept bündelt neurologische, kardiologische und altersmedizinische Untersuchungen an einem einzigen Tag. Liegen keine kritischen Befunde vor, werden die Patienten anschließend nach Hause entlassen. Studienleiter Professor Jan C. Purrucker betont, dass eine frühere Rückkehr in die häusliche Umgebung gerade für ältere Menschen Vorteile hinsichtlich Mobilität und Selbstständigkeit bieten kann.
Die Forschenden erheben Nachsorgedaten nach sieben Tagen sowie nach drei und zwölf Monaten. Primäres Ziel ist der Vergleich der Alltagsfunktion drei Monate nach der Akutversorgung. Zusätzlich werden erneute Schlaganfälle, neurologische Verschlechterungen, Lebensqualität, Patientenzufriedenheit und gesundheitsökonomische Aspekte erfasst.
Am UKHD werden jährlich rund 1.400 Patienten auf der Stroke Unit behandelt. Bewährt sich das ARTIFICE-Konzept, könnten stationäre Kapazitäten gezielt für Patienten mit schwereren Verläufen freigehalten werden. Erste Ergebnisse werden Ende 2029 erwartet.
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