Digitalisierung im Krankenhaus 2025 so gelingt jetzt die digitale Transformation
Digitalisierung im Krankenhaus ist längst vom Schlagwort zur strategischen Pflichtaufgabe gereift. Wer heute wettbewerbsfähig bleiben will, braucht vernetzte IT-Systeme, sichere Datenströme und einen klaren Plan für Interoperabilität, Datenschutz und Nachhaltigkeit. Der folgende Überblick richtet sich an Krankenhausmanager, Controller, IT-Strategen und ärztliche Führungskräfte und skizziert, wohin die digitale Reise der Kliniken bis 2030 führt.
Inhalt des Artikels
- Digitale Klinik
Ärzt. Leiter Medizincontrolling BKJL, Inhaber medinfoweb.de
Interoperabilität ermöglicht fließenden Datenverkehr
Symbol für die Digitalisierung im Krankenhaus ist vielfach die elektronische Patientenakte (ePA). Diese wird nach dem bundesweiten Roll-out zum zentralen Datendrehkreuz. Bereits 50 Millionen Akten wurden in den ersten drei Wochen geöffnet – ein klares Signal für Akzeptanz und Skalierbarkeit.
Gleichzeitig gewinnt Fast Healthcare Interoperability Resources (FHIR) als standardisierte Schnittstelle an Boden. FHIR entspricht einer standardisierten Schnittstelle für den Datenaustausch im Gesundheitswesen. Der Standard definiert eine offene, klar spezifizierte API (Application Programming Interface), mit der strukturierte Gesundheitsdaten als sogenannte „Ressourcen“ interoperabel zwischen verschiedenen IT-Systemen ausgetauscht werden können Der offene Ressourcen-Ansatz erleichtert den Austausch zwischen KIS-System, Labor- und Radiologieapplikationen und schafft die Grundlage für eine sektorenübergreifende Versorgung. Kliniken sollten deshalb jetzt in ein strukturiertes Datenmanagement investieren und proprietäre Schnittstellen konsequent ablösen.
Klinische Systeme entwickeln sich zum smarten Herzstück
Der Markt für Krankenhausinformationssysteme (KIS-Markt) erlebt einen historischen Umbruch: Nach dem Aus für SAP IS-H drängen neue Anbieter mit cloudfähigen, KI-gestützten Lösungen auf den Markt. Umsätze im Segment KIS stiegen 2024 trotz Gegenwind auf 319 Mio. Euro, während Start-ups wie Avelios zweistellige Klinikzahlen erschließen. Parallel prognostiziert der bvitg-Trendreport eine rasche Durchdringung von KI-Modulen für Dokumentation, Terminplanung und Entscheidungsunterstützung. Das KIS der Zukunft wird zum datenzentrierten Plattformkern, in den sich spezialisierte Apps andocken – vergleichbar mit einem Betriebssystem, das jederzeit erweiterbar bleibt.
Informationssicherheit stärkt das Vertrauen der Patienten
Mit jedem vernetzten Gerät steigt die Angriffsfläche. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verzeichnete im Jahr 2024 einen deutlichen Anstieg von Cybervorfällen im Gesundheitswesen und bewertet die Bedrohungslage als besorgniserregend. Besonders betroffen sind nicht nur die digitalen Infrastrukturen großer Einrichtungen, sondern zunehmend auch Krankenhäuser und Arztpraxen, die gezielt ins Visier von Angreifern geraten. Dabei wird die Gefährdung von Menschenleben durch Cyberangriffe billigend in Kauf genommen. Die Präsidentin des BSI bezeichnete die IT-Bedrohungslage insgesamt als „angespannt und besorgniserregend“, was insbesondere für das Gesundheitswesen gilt, da hier besonders schützenswerte Daten und kritische Versorgungsprozesse betroffen sind. Die NIS-2-Richtlinie verschärft ab 2026 die Melde- und Absicherungspflichten für Kliniken. Chief Information Officer sollten daher Zero-Trust-Architekturen, kontinuierliches Monitoring und regelmäßige Notfallübungen zur Chefsache machen.
Telemedizin verbindet Versorgung über Grenzen hinweg
Eine Machbarkeitsstudie in Baden-Württemberg zeigt, dass Telekonsile Versorgungslücken durch die Krankenhausreform nahezu vollständig kompensieren können. Für die Innere Medizin sinkt die Unterversorgung von sechs auf 3,3 Prozent, wenn fachärztliche Spezialisten sich digital zuschalten.
Virtuelle Intensivstationen ermöglichen es, intensivmedizinische Expertise auch in kleinere oder ländlich gelegene Krankenhäuser zu bringen. Durch Telemedizin können Fachärzte aus größeren Zentren Patientenfälle mitbeurteilen, Therapieempfehlungen geben und so die Versorgungsqualität spürbar verbessern.
Tele-Stroke-Netze verbinden regionale Krankenhäuser mit spezialisierten Schlaganfallzentren. So kann bei einem akuten Schlaganfall schnell eine neurologische Expertise eingeholt und die richtige Therapie (z.B. Lyse) eingeleitet werden – auch ohne dass ein Neurologe vor Ort ist.
Durch digitale Überwachung chronisch kranker Patienten (z.B. mit Herzinsuffizienz oder Diabetes) können Komplikationen frühzeitig erkannt und Krankenhausaufenthalte vermieden werden. Patienten profitieren von einer besseren Betreuung, und das medizinische Personal wird entlastet.
KHZG-Förderprojekte beschleunigen den digitalen Reifegrad
Bis Ende 2025 müssen alle Kliniken ihre KHZG-Pflichtanwendungen beauftragen, sonst droht der Digitalisierungsabschlag. Schlussverwendungsnachweise sind in vielen Ländern bis Q1 2026 fällig; ab 2027 greift zusätzlich der Nutzungsnachweis.
Die zweite DigitalRadar-Erhebung zeigt deutliche Fortschritte bei der Digitalisierung deutscher Krankenhäuser. Insgesamt haben 1.592 Häuser an der aktuellen Erhebung teilgenommen. Im Durchschnitt ist der Reifegrad gegenüber 2021 deutlich gestiegen. Die Krankenhäuser konnten in fast allen Bereichen Verbesserungen nachweisen. Besonders starke Zuwächse gab es in den Bereichen digitale Dokumentation, IT-Sicherheit und Patientenportale. Die Ergebnisse der zweiten DigitalRadar-Erhebung bestätigen, dass die Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern voranschreitet. Die Investitionen aus dem KHZG zeigen Wirkung, und die Häuser sind auf einem guten Weg, moderne, digitale Strukturen zu etablieren.
Erfolgreiche Förderprojekte im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) zeichnen sich dadurch aus, dass sie Patientenportale, digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation sowie KI-gestützte Entscheidungsunterstützungssysteme miteinander kombinieren.
Patientenportale ermöglichen Patientinnen und Patienten einen aktiven Zugang zu ihren Behandlungsdaten, vereinfachen die Terminvereinbarung und stärken ihre Souveränität im Behandlungsprozess. Sie reduzieren den Kommunikationsaufwand und sorgen für einen schnelleren, qualitativ hochwertigen Informationsfluss zwischen allen Beteiligten.
Digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation erhöht die Verfügbarkeit relevanter Informationen und verringert den Dokumentationsaufwand. Moderne Systeme ermöglichen automatisierte und sprachbasierte Dokumentation, was sowohl die Pflegekräfte als auch Ärztinnen und Ärzte entlastet und Fehlerquellen minimiert.
KI-gestützte Syteme zur Entscheidungsfindung unterstützen medizinisches und pflegerisches Personal bei komplexen Entscheidungen, z. B. bei Diagnostik, Therapie oder Medikation. Sie helfen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in die Versorgung zu integrieren und tragen dazu bei, sektorenübergreifende Versorgungsbrüche zu vermeiden. Praktische Anwendungen reichen von der Vorhersage von Versorgungsbedarfen nach der Entlassung bis zur intelligenten Terminsteuerung und Therapieplanung
Nachhaltige IT-Infrastruktur reduziert den ökologischen Fußabdruck Green Hospital als Digitalziel
Green-IT wird vom nice-to-have zum Vergabekriterium. Untersuchungen zeigen, dass Cloud-Rechenzentren den Stromverbrauch im Vergleich zu On-Premise-Lösungen um bis zu 84 Prozent senken. Energieeffiziente Hardware, Wärmerückgewinnung aus Serverräumen und modulare Software-Architekturen sparen Kosten und CO₂. Digitalisierung, KHZG-Mittel und Dekarbonisierung greifen so ineinander – wer heute nachhaltig baut, sichert sich morgen Förderboni und Imagegewinne.
Fazit die 5 Säulen der digitalen Klinik 2025
Die 5 Säulen der digitalen Klinik 2025 bilden gemeinsam das Gerüst für eine zukunftsfähige Versorgung. Ihr Erfolg hängt vom Fundament ab: einer konsequent gesteuerten Digitalstrategie.
Die digitale Klinik 2025 ruht auf fünf tragenden Säulen:
- Elektronische Patientenakte (ePA)
TI‑Anbindung, Prozess/UX, Change/Training - KHZG-Förderung & Reifegrad
Prozess-/Usability‑Verbesserungen, Change/Kompetenz, Sicherheitskennzahlen - Interoperabilität via FHIR
TI‑Dienste, Datenbereitstellung für Sekundärnutzung - Informationssicherheit nach NIS2
ISMS/BSI‑Grundschutz, technische/organisatorische Controls, Rollen & Berechtigungen - KI & Patientenportale im klinischen Alltag
Datenstrategie/GDNG‑Use‑Cases, Consent/Transparenz, Outcome‑Monitoring
KHZG-Förderprojekte und Reifegradmessung geben dabei den Takt vor. Entscheidend ist, dass diese Elemente nicht isoliert wirken, sondern gemeinsam auf einem stabilen Fundament ruhen: einer konsequent gesteuerten digitalen Strategie und Governance-Struktur. Nur wer diese systematisch aufbaut, kann die Digitalisierung im Krankenhaus nachhaltig und resilient gestalten.

Lesen Sie mehr zur Digitalstrategie im Krankenhaus demnächst auf medinfoweb.de:
- KHZG richtig umsetzen: Stolperfallen & Erfolgsfaktoren
- Interoperabilität mit FHIR & KIM im Klinikalltag
- NIS2 & IT-Sicherheit: Was auf Kliniken jetzt zukommt
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