UKSH gründet Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, wird das erste Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB) in Schleswig-Holstein eingerichtet.

29. August 2024
  • Medizin

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, wird das erste Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB) in Schleswig-Holstein eingerichtet.

Damit sollen Patientinnen und Patienten mit geistiger oder schwerer Mehrfachbehinderung besser versorgt werden, deren Erkrankungen und Störungsbilder wegen ihrer Art, Schwere oder Komplexität eine bedarfsgerechte Ergänzung zur ambulanten Regelversorgung erfordern. Das Land Schleswig-Holstein fördert die Errichtung und den Aufbau des Zentrums mit 500.000 Euro. Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken hat dazu heute einen Förderbescheid an die Leiter des Zentrums und Fachärzte für Neurologie, Prof. Dr. Tobias Bäumer und Dr. Sebastian Löns, übergeben – im Beisein von Michaela Pries, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jens Scholz, CEO des UKSH.

Krankheitsgeschichte und aktueller Beschwerden wird oft durch eine fehlende oder verminderte Kommunikationsfähigkeit erschwert. Sie stellt eines der zentralen Probleme dar, die Menschen mit diesen Einschränkungen von anderen Patientinnen und Patienten unterscheidet.

Das Team des MZEB möchte den besonderen Bedürfnissen mit einem multidisziplinären Ansatz, Erfahrung und ausreichend Zeit entgegenkommen. „Am Campus Lübeck betreuen wir nicht nur im Zentrum für Seltene Erkrankungen und in den Spezialsprechstunden der neurologischen Klinik viele Patientinnen und Patienten mit Behinderungen mit einem hohen Bedarf an multi- und interprofessioneller Versorgung. Diesen nur in Teilen gedeckten Bedarf vor Augen, war es unser Ziel, diesen Menschen mit dem MZEB ein auf sie optimiertes ambulantes medizinisches Versorgungsangebot zu machen“, sagte Prof. Bäumer.

Menschen mit geistiger Behinderung oder körperlicher Mehrfachbehinderung und einem Grad der Schwerbehinderung von mindestens 70 Prozent können von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt ans MZEB überwiesen werden. Nach Sichtung der Vorgeschichte folgt hier eine umfassende Aufnahme der gesundheitlichen Situation und eine ärztliche Untersuchung. Im Rahmen einer Fallkonferenz beraten sich Fachleute verschiedener ärztlicher und therapeutischer Professionen über die notwendigen weiteren Schritte und erstellen einen individuellen Therapieplan.

Kernelement des MZEB ist die multidisziplinäre Behandlung durch ein Team aus medizinischen und nichtmedizinischen Fachkräften. Zum Angebot gehören Diagnostik- und Therapiemaßnahmen, die anderweitig für die Betroffenen nicht verfügbar sind, sowie eine Mitbehandlung durch andere Fachbereiche des UKSH. Im Vordergrund stehen jedoch die Koordination und Unterstützung der ambulanten Behandler. Dafür wird ein entsprechendes Versorgungsnetz aufgebaut, das zum Beispiel auch die Bereiche Rehatechnik, Hilfsmittelversorgung, unterstützte Kommunikation und Einrichtungen der Behindertenhilfe abdeckt.

Das MZEB setzt die Maßgaben des Artikels 25 der UN-Behindertenrechtskonvention nach behindertengerechten Versorgungsangeboten um. Die Leiter des Zentrums erwarten nach Etablierung des Angebots in den kommenden Jahren bis zu 800 Patientinnen und Patienten pro Quartal.

Quelle:

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein


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