Volle OP-Säle, leere Betten: Warum Deutschlands Kliniksystem krankt
Deutschlands Krankenhauslandschaft ist teuer, ineffizient und überversorgt, doch ausgerechnet die geplante Reform zur Qualitätssicherung droht zu scheitern. Die Länder stemmen sich gegen zentrale Vorgaben aus Berlin. Gesundheitsministerin Warken verspricht eine „Verbesserung statt Verwässerung“, doch erste Signale sprechen eine andere Sprache. Für Patient:innen steht mehr auf dem Spiel als nur längere Wege.
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Mit rund 1700 Kliniken weist Deutschland europaweit die höchste Krankenhaus- und Bettendichte auf. Dennoch stehen viele Betten leer. Um finanzielle Defizite auszugleichen, setzen viele Häuser auf eine hohe Zahl an Operationen und das häufig ohne ausreichende Expertise oder klare medizinische Notwendigkeit. Diese Praxis bringt Deutschland international an die Spitze bei Eingriffszahlen, ohne positive Effekte auf die Lebenserwartung.
Die von der Ampelregierung angestoßene Krankenhausreform sollte diesem Trend entgegenwirken. Ziel ist eine qualitätsorientierte Konzentration stationärer Versorgung auf spezialisierte Einrichtungen. Doch die Bundesländer blockieren zentrale Elemente der Reform. Sie fordern weitreichende Ausnahmen bei der Krankenhausplanung und bei Qualitätsvorgaben, was den Reformkern massiv aushöhlt. Bereits unter Lauterbach wurde den Ländern Zugeständnisse gemacht, was bei den Krankenkassen auf Kritik stieß.
Die neue Gesundheitsministerin Nina Warken signalisierte zwar, sie wolle die Reform verbessern, nicht aufweichen. Konkrete politische Schritte zeigen jedoch eine zunehmende Annäherung an die Länderforderungen. Damit droht das zentrale Versprechen der Reform, nämlich eine klare Fokussierung auf Qualität und Spezialisierung, ins Leere zu laufen.
Für Patient:innen bedeutet das eine anhaltende Versorgung in Kliniken mit unzureichender Erfahrung und Struktur. Notwendig wären strukturelle Veränderungen hin zu weniger, aber besser ausgestatteten Standorten. Die Reform steht vor einer Zerreißprobe und mit ihr das Vertrauen in die politische Steuerungsfähigkeit des Gesundheitswesens.
msn.com
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