Werden Informationssysteme zum Flaschenhals der sektorenübergreifender Versorgungseinrichtungen (süV)?

Die Einigung zur Finanzierung sektorenübergreifender Versorgungseinrichtungen stellt starre Sektorgrenzen infrage und macht Interoperabilität der Gesundheits-IT zur zentralen Voraussetzung für das neue Versorgungsmodell ab 2027…

8. September 2026
  • Data und KI

Mit der Einigung der Selbstverwaltung über die Finanzierung sektorenübergreifender Versorgungseinrichtungen (süV) ist ein neuer Versorgungstyp beschlossen, der ab 2027 Realität werden soll. Rechtlich bleiben diese Einrichtungen Krankenhäuser mit angepasstem Versorgungsauftrag. Inhaltlich sollen stationäre Basisversorgung, ambulante Leistungen, Übergangspflege und Kurzzeitpflege unter einem organisatorischen Dach zusammengeführt werden.

Für ältere und chronisch kranke Menschen ist das relevant, weil sie heute innerhalb weniger Tage mehrfach den Versorgungssektor wechseln. Mit jedem Übergang ändern sich Zuständigkeiten, Finanzierung und Informationssysteme. Dokumentationen beginnen neu, Assessments werden wiederholt, Medikationspläne erneut übertragen.

Damit wird die Reform zum Thema der Pflegeinformatik. Klinische Informationen wie Sturzrisiko, Mobilität oder Pflegeziele begleiten den Menschen über den gesamten Versorgungsverlauf, werden von heutigen Systemen aber sektoral behandelt. Krankenhausinformationssysteme, Praxisverwaltungssysteme und Pflegesoftware arbeiten jeweils innerhalb eigener Grenzen. Die süV könnten zum ersten echten Belastungstest für die Interoperabilität der deutschen Gesundheits-IT werden.

FHIR-basierte Informationsmodelle sind konzeptionell darauf ausgelegt, Informationen versorgungskontext-unabhängig nutzbar zu machen. Ob das in der Praxis gelingt, wird sich an den neuen Einrichtungen zeigen.

Für die Pflege eröffnet sich eine koordinierende Rolle über Versorgungsformen hinweg. Pflegefachkräfte beobachten Funktionsfähigkeit, Kognition und Selbstständigkeit kontinuierlich. Voraussetzung ist, dass pflegerische Informationen als sektorenübergreifende Ressource anerkannt werden.

Quelle:
pflegeinformatik.org

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