WHO-Studie: Depressionen und Angst unter Ärzten fünfmal häufiger als in der Allgemeinbevölkerung

Eine WHO-Studie zeigt alarmierende psychische Belastungen unter Ärztinnen und Ärzten. Fachleute fordern beim Marburger Bund Schleswig-Holstein Selbstfürsorge, strukturelle Änderungen und niedrigschwellige Hilfsangebote…

13. Oktober 2026
  • Personal

Ein Drittel der europäischen Ärzte und Pflegefachkräfte zeigt laut einer WHO-Studie vom Oktober 2025 Symptome von Depressivität oder Angsterkrankungen. Die Belastung ist fünfmal höher als in der Allgemeinbevölkerung. In Deutschland leiden rund 20 Prozent unter Angsterkrankungen, zehn Prozent berichteten von Suizid- oder Selbstverletzungsgedanken. Besonders betroffen sind jüngere Kollegen sowie Ärztinnen.

Maxi Braun, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, verwies bei einer Veranstaltung des Marburger Bundes Schleswig-Holstein auf belastende Arbeitsbedingungen. Ein Drittel der Befragten erlebte Bullying oder Gewaltdrohungen, ein Viertel arbeitet mehr als 50 Stunden pro Woche. Regelmäßiges Feedback, Einbindung in Entscheidungen, Supervision und klare Arbeitszeitgrenzen könnten helfen. Auch individuelle Maßnahmen wie Pausen, Sport und soziale Bindungen stärken die Resilienz.

Astrid Freisen, ebenfalls Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, schilderte eigene Erfahrungen mit bipolarer Störung und Selbststigmatisierung. Eine Diagnose führe nicht automatisch zum Approbationsentzug, entscheidend sei die gesundheitliche Eignung. Freisen forderte vertrauliche, niedrigschwellige Hilfsangebote, klare Strukturen für Erkrankung und Berufsrückkehr sowie den Abbau von Stigmata bereits in Ausbildung und Studium.

Mit der PSU Helpline gibt es ein konkretes Peer-Support-Angebot. Ärztliche Kollegen unterstützen anonym bei Krisen und psychischen Belastungen, erklärte Andreas Schießl vom Verein PSU-Akut.

Quelle:
aerzteblatt.de

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