WIdO-Chef Scheller-Kreinsen: Vergütungssystem und Versorgungsstrukturen bremsen Ambulantisierung von 8,6 Millionen Fällen
Das WIdO beziffert das Ambulantisierungspotenzial auf 8,6 Millionen Fälle und sieht das Vergütungssystem als zentralen Hemmschuh – Sektorengrenzen gelten als überholt…
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Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat 8,6 Millionen stationäre Fälle identifiziert, die ambulant versorgt werden könnten. WIdO-Geschäftsführer David Scheller-Kreinsen benennt drei Blöcke:
- rund sechs Millionen einfache geplante Krankenhausfälle, die in ein bis fünf Jahren verlagert werden könnten
- Notfallversorgung mit strukturellen Defiziten
- sowie zwei Millionen ambulant-sensitive und pflegesensitive Fälle, deren Vermeidung fünf bis zehn Jahre erfordert.
Als größten kurzfristigen Hebel sieht Scheller-Kreinsen konsequente Kurzliegerpauschalen. Die bestehende Schnittstellenlandschaft aus Hybrid-DRGs, ambulanten Operationen und stationsersetzenden Eingriffen bewertet er als zu komplex und intransparent. Hybrid-DRGs in ihrer aktuellen Form hält er für nicht passend.
Bei der Notfallversorgung kritisiert er, dass die geplanten Integrierten Notfallzentren bislang nur auf dem Papier existieren. Ohne eigenständiges Budget können diese jedoch keinen neutralen Steuerungseffekt entfalten. Der finanzielle Anreiz für Kliniken, Fälle stationär aufzunehmen, bleibe sonst bestehen.
Zur Frage der Sektorenzugehörigkeit formuliert Scheller-Kreinsen eine klare Position: Entscheidend sei, ob eine Leistung ambulant oder stationär erbracht werden sollte – nicht, welchem Sektor der Leistungserbringer angehört. Strukturelle Anforderungen müssten sich aus dem konkreten Versorgungsauftrag ergeben, nicht aus historisch gewachsenen Zuständigkeiten.
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