Zi-Studie: Neun von zehn Arztpraxen nicht auf Kriegs- oder CBRN-Lagen vorbereitet

Eine Zi-Befragung von 4.005 Praxen zeigt, dass die ambulante Versorgung auf Krisen und Katastrophen strukturell kaum vorbereitet ist. Notfallpläne, Notstrom und Informationen fehlen flächendeckend…

21. September 2026
  • Politik

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) hat im Rahmen des diesjährigen Praxis Panels 4.005 Vertragsärztinnen und -ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten zur ambulanten Krisenresilienz befragt. Die Erhebung lief von Ende April bis Ende Juli 2026. Die Ergebnisse, vorgestellt am 16. September 2026 auf dem Zi-Kongress Versorgungsforschung, belegen erhebliche Lücken in der Vorbereitung auf Krisen- und Katastrophenszenarien.

Rund 90 Prozent der Befragten fühlen sich auf großflächige und langwierige Krisen wie kriegerische Auseinandersetzungen oder CBRN-Lagen schlecht vorbereitet. Knapp 80 Prozent sehen sich für einen Massenanfall von Verletzten unzureichend gerüstet, mehr als zwei Drittel auch für einen einwöchigen Ausfall von Telekommunikation oder Stromversorgung. Etwa die Hälfte der Praxen ist schlecht auf eine Arzneimittel-Mangellage vorbereitet. Nur jede zehnte Praxis verfügt über eine Notstromversorgung.

Besonders vulnerabel zeigt sich der fachärztliche Bereich. Bei einem einwöchigen Stromausfall müssten knapp 40 Prozent der Facharztpraxen den Betrieb sofort einstellen, bei Hausarztpraxen sind es rund 20 Prozent. Psychotherapeutische Praxen sind am wenigsten betroffen, nur vier Prozent müssten direkt schließen.

Hinzu kommt ein gravierendes Informationsdefizit, denn 93 Prozent der Befragten kennen ihre Rolle im Katastrophenfall nicht und 62 Prozent wissen nicht, wo sie im Ernstfall Informationen erhalten. 85 Prozent haben keine Infomaterialien von KBV, KV oder Ärztekammer erhalten. Nur fünf Prozent verfügen über Krisenkooperationsnetzwerke mit benachbarten Praxen, MVZ oder Krankenhäusern.

Auf der anderen Seite können 65 Prozent der Praxen im Krisenfall Patienten nach Dringlichkeit priorisieren, in der Psychotherapie sind es 75 Prozent. Fast alle befragten Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten erklärten sich bereit, medizinische Unterstützung auch außerhalb des eigenen Wohn- oder Arbeitsortes zu leisten.

Markus Leibner, Leiter des Fachbereichs Ökonomie beim Zi, forderte praxisnahe Handlungsempfehlungen, die Bündelung bestehender Materialien sowie klarere rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für die Bevorratung. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, verlangte die gesetzliche Einbindung der KVen in Krisenstrukturen, die Definition einer ambulanten Mindestversorgung sowie geklärte Haftungsregeln. Das vom Bundesgesundheitsministerium angekündigte Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG) sollte ursprünglich im Sommer 2026 als Entwurf vorliegen.

Quelle:
aerzteblatt.de

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